Berichte
Turnstunde mit 1000 PS
Flugplatz Aichach, im August 2004
Geburtstagsfeier – Das halbe Jahrhundert ist voll. Nicole übereichte mir im Namen von Euch allen ein DIN A4 Poster. Mittelpunkt des Posters eine modifizierte T6. Die Überraschung ist Euch voll gelungen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Die Freude war mir wohl ins Gesicht geschrieben.
3. April 2005
Fast 8 Monate sind mittlerweile vergangen. Es war schwierig, diesen Termin zu organisieren. Erst war das Geburtstagskind gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe – ich hatte mir einen Leistenbruch zugezogen. Man muß im zarten Alter von 50 Jahren doch vorsichtig sein ehe man zentnerschwere Lasten anhebt – dann mußte ein Termin im Oktober bei schönstem Wetter
kurzfristig abgesagt werden. Ja und dann stand der Winter vor der Tür. Aber jetzt sitz ich mit Biggi im Auto auf dem Weg nach Rottweil Zepfenhan. Wir sind für 13 Uhr verabredet. Rüdiger,der Eigner der PC2, kommt pünktlich mit Sohn. Gemeinsam schieben wir die Tore der Rundhangars auf. Whow, was für ein Anblick Erste Kontaktaufnahme. Der Zustand des Kraftpackets, Baujahr 1942 und
jahrelang im Pazifik auf einem US Flugzeugträger
unterwegs, ist besser als neu. Das Aluminum ist blank poliert, kaum Spuren
von Abnutzung. Rüdiger erledigt dieVorflugkontrolle.Das Öl aus den unteren
Zylindern des riesigen Sternmotors muß vor dem Anlassen entfernt werden. Also,
2 maliges Durchdrehen des Props von Hand und danacherwachen die Pferdchen
unüberhörbar. Noch schnell zur Tankstelle rollen, denn der Durst des Fliegers
stellt den Durst der Piloten gewaltig in den Schatten. 200 Liter sind noch
in den Tanks, zur Sicherheit füllen wir nochmal 200 Liter nach.
So, jetzt aber los. Kurze Einweisung im hinteren Sitz. Der Steuerknüppel ist da wo er hingehört, ansonsten gehts hier eher spartanisch zu. Fahrtmesser, Höhenmesser, G-Meter – das wars. Ach ja, links ist auch noch der Gashebel, der Mixer und die Propverstellung.
Wir rollen zum Rollhalt. Die Sicht nach vorn ist besser als erwartet. Ich seh die Runway, wenn auch erst ca. 30 Meter vor dem Flugzeug. Letzte Kontrolle, alles ok, der Motor mit seinen 9 Zylindern und 27 Liter Hubraum ist mittlerweile auch warm, wir können.
Rüdiger schiebt das Gas gefühlvoll nach vorne und die 1000 PS traben gewaltig und unüberhörbar los. Kaum 300 Meter Runway sind unter uns durch, wir sind schon in der Luft. Das Steigen ist phänomenal, wir sind im Nu auf 1000 Meter. In einer engen Linkskurve gehts zunächst mal zurück zum Platz, den wir in 30 Meter Höhe mal schnell mit 500 km/h passieren. Ein kurzer Zug am Knüppel, und wir sind wieder 1000 m hoch. Rüdiger dreht nach links auf Kurs Süd ab und sagt „You have it“.
I have it - klar laß ich mich keine Sekunde bitten. Die Machine hangt unheimlich direkt am Knüppel. Die kleinste Bewegung wird sofort umgesetzt und das mit geringstem Kraftaufwand, zwei Finger genügen. Zuerst gehts mal weiter Richtung Süd und von den Wolken weg, unter denen schon die Segelflieger kleben – klar es ist das erste richtig schöne Wochenende des neuen Jahrs, vor 3 Wochen lagen hier noch 50 cm
Schnee. Ganzschön schwierig die ganzen Ortschaften zu vermeiden – es sind bei fast 400 km/h einfach zu viele.Wir sind mittlerweile schon nahe am Bodensee. Mal die Nase 15° Grad über den Horizont ziehen und den Steuerknüppel in die linke Ecke stellen. Die Kiste rollt ganz schön schnell. Maximal 1,5 Sekunden vergehn und schon ist der Himmel wieder oben. Danach ein bischen andrücken und Fahrt aufholen. Im Nu sind 500 km/h am Stau. Knüppel vorsichtig zurücknehmen bis 3,5 G = 300kg Körpergewicht anliegen. Ab in den Loop mit 1 Km Durchmesser. Alles geht so easy.
Rechts unter uns ziehen die Ausflugsdampfer sternförmig Richtung Insel Mainau. Bestimmt schaut der eineoder andere nach oben und wundert sich über diesen lauten Vogel, der kaum geradeausfliegenkann.Rüdiger schlägt noch einen kleinen Ausflug zur Donau vor. Ok, soll mir recht sein. Linkskurve, Kurs 330°. 50 Km Landschaft ziehen in weniger als 10 Minuten unter uns durch, ich tauche links von Sigmaringen ab ins Donautal. Rüdiger meint, ich kann ruhig mal ein bischen tiefer fliegen. Mir ist’s mehr als recht. In Baumwipfelhöhe der Höhen rechts und links aber gut 150 Meter über dem Talgrund folgen wir der meandrierenden Donau. Bei 180 Knoten sind die Donaubögen ganz schön eng, ich muß teilweise knapp 90° Querneigung nehmen und ab und zu auch ein bischen über die Höhenrücken abkürzen. Das ist Fun pur. Kloster Beuron bleibt hinter uns zurück. Schade, plötzlich ist die Donau weg - einfach versickert. Da war doch was. Ja Richtig – bei Immendingen fließt sie ja unter der Erde weiter. Also gehts rechts weiter Richtung Rottweil Flugplatz.
Rüdiger meint, er würde mal kurz übernehmen.
You have it – I have it – Turnen ist angesagt, die am Boden solln ja auch was zum Sehen kriegen. Abschwung links, Fahrt aufholen bis zur Redline und schon gehts mit über 500 Sachen schnell über die Startbahn. Aufschwung und halbe Rolle links in den Rückenflug. Abschwung – Überflug – Aufschwung – Rollen links oder rechts rum und Loops wechseln sich ab. Alles wie im Segelflug, nur ganz anders – hier hat die Dritte Dimension einfach erheblich mehr Raum und man hat immer Power ohne Ende. Mal schnell kurz über dem Boden und im nächsten Moment in 1 Km Höhe. Einfach Fantastisch!
Rüdiger zieht das Gas raus. 300 Liter Flugbenzin sind in Sound und Fun verwandelt. Wir gehen in den Gegenanflug zur Landung, Geschwindigkeit 150 Knoten. Queranflug, Endanflug – Reduzieren auf 100 Knoten (180 km/h). Die Landebahn verschwindet hinter dem riesigen Sternmotor, ich sehe nichts mehr nach vorne. Keine Ahnung, wie Rüdiger den Platz findet, aber er setzt den Vogel perfekt in Dreipunktlage auf. Haube vorschieben und abrollen Richtung Halle. Ich strahle über das ganze Gesicht
Rüdiger, das war Spitze.
Der größte Dank aber geht an Euch, Familie, Verwande & Freunde - meine großzügigen Sponsoren, die dieses einmalige Erlebnis erst ermöglichten.